Lesemonat Oktober 2016

Davidson: Der Rabe

 

4 von 5 Punkten - Hochintelligent, eiskalt, grandios recherchiert!

"Der Rabe" ist ein amerikanischer Thriller, der von Geheimagenten, Wissenschaftlern, dem Konflikt zwischen CIA und Russland und einer ganzen Menge Intrigen erzählt. 

 

Seit beinahe einem Monat habe ich nun an diesem Buch gelesen, was für mich eigentlich sehr sehr untypisch ist. Insbesondere deswegen, weil es ein Thriller ist, den man einfach nicht am Stück durchlesen kann. Dafür ist er zu vollgepumpt mit Details, intellektuell herausfordernd, aber dann hin und wieder auch in die Länge gezogen. 

Besonders herausgestochen ist m.E. der sehr unpersönliche, kalte Schreibstil des Autors, was allerdings nicht als Kritik aufzufassen ist. Man muss wissen, ob man mit einem Buch klarkommt, in dem man fast nichts von Gefühlen erfährt, zwar einen Protagonisten auf seinem Weg "begleitet", aber dabei hauptsächlich von außen auf die Geschehnisse blickt und viel in der "man"-Perspektive liest. Dafür ist es sprachlich und intellektuell auf einem ausgesprochen hohen Niveau, man merkt, dass eine Menge Arbeit hinter "Der Rabe" steckt, und dass das definitiv kein 0815-Buch ist, das man mal eben schnell runtergeschrieben hat. 

 

Von der fachlichen Präzision und der Recherchearbeit, die der Autor betrieben haben muss, um all das so zu schildern, war ich schwer beeindruckt. 

 

Spannend ist das Buch auf jeden Fall, wenn es vielleicht an der ein oder anderen Stelle auch etwas kürzer hätte sein dürfen. Etwas enttäuschend fand ich, dass man letzten Endes fast nichts über die Forschungsstation an sich erfahren hat. Das komplette Buch über bin ich davon ausgegangen, dass sich dort die Haupthandlung abspielen wird und es zum großen Showdown kommt, der Prolog macht definitiv Lust auf mehr. Was das anbelangt, konnte "Der Rabe" mich leider nicht wirklich fesseln, da gerade das Kapitel, auf das ich am aufgeregtesten gewartet habe, rasend schnell wieder vorbei war und viel Spannungspotential verschenkt hat. Auch die Geschichte mit der Komarowa (wer das Buch gelesen hat, weiß, was ich meine, mehr kann ich aus Spoiler-Gründen hier leider nicht sagen) wirkt "erzwungen" und passt einfach nicht zum restlichen kühlen Stil des Thrillers, der eher einer Mischung aus Polizeibericht und wissenschaftlicher Analyse gleicht. 

 

Nichtsdestotrotz ein besonderer Thriller, den man zumindest einmal angelesen haben sollte. Man merkt recht schnell, ob einem der Stil gefällt oder nicht. Es ist zwar bisweilen etwas mühsam zu lesen, aber dafür auch unglaublich interessant und beeindruckend. 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Mathematiqua